Thu, 29.05.2008
Doors Open: 21:00
VELOJET (A) + Das trojanische Pferd (A)
Price: AK 11€ VVK 9€
- 10 JAHRE B72 -
DJ SKOFIELD & COWBOYKILLER

Soll ja keiner behaupten, dass in Kronstorf nichts los w?re. Ein kleiner Blick auf das Kapitel ?Kultur? der ortseigenen Website enth?llt, dass immerhin eine Kegelrunde, ein Zigarrenclub, ein Kulturverein, eine Faschingsgilde, das Jugendorchester Young Spirit, eine Galerie, die ?rtliche Jagdgesellschaft und sogar eine Goldhaubengruppe das Leben der 3.148 in diesem ober?sterreichischen Flecken wohnhaften Seelen bereichern. Keine Erw?hnung finden allerdings die Seppdember Studios des Sepp Haidenthaler, wo nach Velojets namenlosem Deb?t vor zwei Jahren nun auch ?This Quiet Town?, das zweite Album der vielleicht aufregendsten ?sterreichischen Popband der Gegenwart entstanden ist. Der Titel ist ?brigens nicht nur als Anspielung auf Kronstorf, sondern auch auf Steyr, die nahe gelegene pittoreske Heimatstadt der Band zu verstehen.

Die Smalltown ist wohl ein ebenso klassisches Thema eskapistischer Pop-Tr?ume wie die Entdeckung der glitzernden Gro?stadt (inklusive der unvermeidlichen Desillusionierung), und in ?This Quiet Town? ist gleich beides drin. Wie hei?t es so sch?n in ?Stay Don?t Walk Away?: ?We gotta find out what it?s worth.?
Der schiere optimistische Enthusiasmus dieser letzten Zeilen hallt noch in den Ohren wider, da kontert schon die melancholische Einleitung von ?Waiting For A Long Time? mit einem Blick auf die rostige Unterseite der Medaille: ?It?s easy to get lost in here.?

Wie David Thomas von Pere Ubu so gern und richtig sagt, ist Rock?n?Roll vor allem eine Sache der Geographie, und in dieser Hinsicht hat sich im Leben von Velojet seit ihren Anf?ngen einiges getan. Mittlerweile sind sie nicht blo? eine der am weitesten gereisten ?sterreichischen Bands mit einem Logbuch voller deutscher, skandinavischer und britischer St?dtenamen. Da war auch noch der Umzug von Bassistin Marlene Lacherstorfer, Tastenspielerin Irene Grabherr und Schlagzeuger Michael Flatz aus der Umgebung von Steyr (Michael kam urspr?nglich aus Vorarlberg) in die Wiener Metropole - w?hrend S?nger, Gitarrist und Songschreiber Ren? M?hlberger weiterhin zwischen beiden St?dten pendelt.

Der Einfluss all dieser zur?ckgelegten Kilometer auf ein Album, das zwischen Sommer 2006 und Fr?hjahr 2007 in unz?hligen Wochenend-Sessions zustande kam, ist tats?chlich un?berh?rbar ? sowohl im fl?ssigen, fallweise geradezu funkigen Zusammenspiel der Band, als auch in M?hlbergers bilderreichen Texten:
?When I get home, the garage door is always closed, and I wonder if I still live here in this house or on this planet? (Garage Door)

Wenn eine unverbesserliche (weil?s an ihnen schlie?lich auch nichts zu verbessern g?be) Popband wie Velojet, die bisher in ihrem melodi?sen ?berschwang einfach alles auf die leichte Schulter zu nehmen schien, pl?tzlich Platz f?r solch schwerm?tige Beobachtungen findet, dann tut sie das jedenfalls immer noch in Form strahlender Refrains, gelegentlich disco-tauglicher, dann wieder r?pelhaft rockender Beats und euphorischer Harmonien, siehe etwa die all das auf wundersame Weise vereinende, Funken spr?hende erste Single-Auskopplung ?I Follow My Heart?.

Aber selbst dort, wo Velojet ? wie zum Beispiel im elegischen ?Hidden Track? oder dem zwischen chansonesken Ankl?ngen und w?tenden Grunge-Riffs alternierenden, humpelnden Walzer ?I?m So Hungry? - bisher noch nie geh?rte Abstecher in Richtung Ballade wagen, siegt am Ende der instinktive Drang zum Popsong.


Nat?rlich w?re es angenehmer gewesen, wenn Velojet ihr zweites Album ganz ohne traumatische Momente,
Phasen des Stillstands und Zerw?rfnisse zustande gebracht h?tten. Schlie?lich haben sie sich in den letzten zwei Jahren eine loyale Fangemeinde von Kids herangez?chtet, die nie im Leben an ihrer Band gezweifelt h?tten (und die Kids haben bekanntlich immer recht), w?hrend gleichzeitig irgendwo drau?en in der Stille von Kronstorf Frontmann Ren? M?hlberger schon drauf und dran war, das ganze Album per Mausklick zu vernichten. Aber vielleicht muss man eben hie und da eine zeitlang den Kopf unter Wasser halten, um mit einem Song wie ?Head Under Water? wieder aufzutauchen.
?The world?s still in our hands, there?s no need to make amends?, singt Ren?. Eine weise Einsicht, zu der er nicht gerade per Luftlinie gelangte. Aber manchmal sind die Umwege eben weitaus interessanter...



Link: http://www.myspace.com/velojet
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