Thu, 26.11.2009
Doors Open: 20:00
HELGI JONSSON (ISL) + RAGGA GR?NDAL (ISL)
Price: AK 12€ VVK 10€
dj andrei (dendritic shows)

Platz ist sprichw?rtlich in der kleinsten H?tte. Mehr Platz allerdings ist nat?rlich anderswo. Und so viel Raum wie in den Songs von Helgi Jonsson gibt es kaum irgendwo sonst zu entdecken. Was nicht hei?t, der Isl?nder lege seine Sound-Landschaften wie brache Felder an, auf denen ab und zu eine sch?chterne Blume sich dem Himmel entgegen reckt. Dann und wann verdichtet sich das ansonsten sparsam gestreute Instrumentarium schon zum kleinen Gewitter oder auch zum gro?en Panorama.

Solche fl?chigen Scapes hinzubekommen, sagt Helgi Jonsson, geh?re zu den fragilsten Arbeiten seiner Profession ?berhaupt. ?Dabei muss ich mich unheimlich beherrschen und vor allem konzentrieren. Ich halte da eine reduzierte Fr?hform meiner Songs in H?nden, zu der ich dann arrangieren muss, ohne der Grundidee etwas in den Weg zu stellen.? Das n?mlich w?re der Weg, den der Pop normalerweise nimmt, ?da denkt ja keiner mehr linear, man dient sich eher der Maschinerie an. Ich aber will Kontrapunkte setzen, will ein Geflecht feiner Beziehungen zwischen Song, Sound und Text spinnen.? Was sich so furchtbar theoretisch anh?rt, h?rt sich in Wahrheit herrlich an, sobald man Jonssons neues Album ?For The Rest Of My Childhood? in den Player bugsiert hat.

Dort irrlichtert seine exaltierte Stimme in zartem Vibrato durch manchmal fast klassisch, dann wieder sehr erdverbunden anmutende Lieder, fl?stert hier und w?chst dort zum dominanten Instrument. Weil Jonsson fr?her Posaunist im Klassik-Metier gewesen ist, klingt heute sein Gesang noch immer wie ein Instrument, ?ich versuche, Melodien und Sounds gleichzeitig damit zu malen und schaffe mir so leider auch mein gr??tes Problem: Die Texte haben sich meinen Klangvorstellungen anzupassen.? Und das m?gen die Texte leider gar nicht gern. ?Weil meine Songs?, sagt Helgi Jonsson, ?auch nach den Arrangements immer noch ziemlich nackt da stehen, ist das Texten meistens eine schwere Geburt. Manchmal erfinde ich mir deshalb sogar eine Art eigener Sprache und hoffe inst?ndig, die meisten Menschen m?gen sie f?r isl?ndisch halten.?

Sprechen indes tut Helgi Jonsson bei Interviews mit deutschen Journalisten deren Muttersprache nebst ?sterreichischem Akzent. Ein paar Jahre Studium in Graz, ein paar Jahre des Wohnens in Wien tragen Fr?chte. Aus dieser eigenartigen Biographie ist ein K?nstler erwachsen, der eigentlich zur rechten Zeit am rechten Platz stehen m?sste. ?F?r mich ist tats?chlich vieles besser geworden?, sagt der 30-J?hrige, ?seit die Musikindustrie krankt und offenbar auch der Mainstream, vor allem der Plastik-Pop irgendwie seine guten Zeiten hinter sich zu haben scheint.? Das helfe nicht zuletzt der Begeisterung f?r Live-Konzerte, in denen Helgi Jonsson sich wie der Fisch im Wasser f?hlt und in denen er ?ber die letzten zwei Jahre aufregende Alliancen einging: Mit Teitur und Sigur R?s, mit Nico Muhly und Tina Dico hat er die Bretter und manchmal auch das Studio geteilt. ?Nat?rlich hatte auch ich Angst vor dem Verfall der Musikindustrie, aber am Ende wird uns Musikern diese Situation mehr Freiheiten bieten als je zuvor.? Viele davon hat Jonsson schon jetzt genutzt.

Im Moment weilt Helgi Jonsson wieder mal daheim auf Island, der gebeutelten Republik im Nordatlantik. ?Man sp?rt die Krise an jeder Ecke?, wei? er zu berichten, ?aber f?r die Kunst ist sie vielleicht gar nicht mal so schlecht, f?r die Seelen der Menschen auch nicht. Immerhin wird man auf das Wesentliche, das Tats?chliche zur?ck geworfen.? Und dazu l?sst sich kaum ein besserer Soundtrack denken als Helgi Jonssons neues Album ?For The Rest Of My Childhood?. Denn irgendwie klingt das Werk wie eine Vertonung des Lebens an und f?r sich. Geheimnisvoll, echt, tragisch und grandios zugleich. Wir dr?cken auf ?Repeat?.


Link: http://www.myspace.com/helgijonsson
SITEMAP
HOME
CALENDAR
REGULARS
LOCATION
DRINKS
IMPRINT
# TOP




Imprint | Copyright © 2011, b72. All Rights Reserved.
A website by Acoda