Sun, 30.01.2011
Doors Open: 20:00
JENS FRIEBE & BAND (D) + LUISE POP (A)
Price: AK 12€ VVK 10€
TICKETS AUCH IN JEDER BA-CA ERH?LTLICH!

DJ Eccentric Dance Team

?Woran arbeiten Sie grade?? fragte ?Die Zeit? vor etwa einem Jahr ausgesuchte K?nstler der Republik, unter ihnen Jens Friebe. Ein Teil seiner Antwort lautete: ?An neuen Liedern.? Friebe hat sein Versprechen nun wahr und uns mit seinem vierten Album ein gro?es Geschenk gemacht. Obgleich die gleiche Kernbesatzung wie auf dem vielger?hmten Vorg?nger ?Das mit dem Auto ist egal, Hauptsache dir ist nichts passiert? (Berend Intelmann am Mischpult, Chris Imler am Schlagzeug) h?ren wir einen anderen Klang: Friebe spielt Klavier.

Er spielt es nicht als die lahm viertelnde Balladenmaschine, zu der das Instrument in der j?ngeren Popgeschichte verkommen ist, sondern in der wilden Tradition Little Richards. Vor allem auf Songs wie ?Reste? und ?Verbotene Liebe? zelebrieren Imler und er harmonisch-chaotisch die drei Sp des Improvisationstheaters: Spielfreude, Spontaneit?t und spinnerte Breaks. Sein Meisterst?ck als Arrangeur macht Imler mit dem heimlichen Titelsong des Albums ?Up and Down?, eine Unplugged-Version des Venga Boys-Klassikers. Statt ?up and down? sagt der von Julie Miess angef?hrte Chor ?ab?ndern?, und indem er es sagt, ?ndert er ab.

Im Gegensatz zu ?auf und ab?, hei?t ?ab?ndern? Fortschritt, und die mickrige Vorsilbe ?ab? entmythologisiert das aufgeladene ??ndern? und l?sst es dadurch wieder als etwas M?gliches erscheinen.Friebes M?glichkeiten scheinen unbegrenzt. So sind etwa die Liebeslieder die sch?nsten und schlausten deutschsprachigen seit mindestens drei Jahren (also seit dem letzten Friebe-Album). ?Theater? erinnert musikalisch an Velvet Underground, O.M.D und Suicide, verf?gt ?ber eine fast schon diabolisch eing?ngige Refrainmelodie und feiert das Zusammen-zu-Hause-Bleiben. ?Sei Mein Plus Eins? mischt waghalsig Rock?n?Roll mit R?n?B und feiert das Zusammen-Weggehen. ?Charles de Gaulle? ist in seiner gebrochenen Chansonhaftigkeit eine Art Sequel von ?Jeu de Cons? und feiert mit Versglanz das Trennen: ?Und die Jahre, die wir brauchen, bis wir uns davon erholen, ziehen vorbei wie fremde Koffer auf dem Band im Charles de Gaulle. Und die Lotsen winken den Piloten Lebewohl.??Irre? ist ein Beispiel f?r die abseitige Seite der Platte, die unerschrockene, erschreckende Seelenkunde in der Folge Scott Walkers. Es beschreibt den Besuch in einer Nervenklinik, st??t den H?rer in d?stere Untiefen und zieht ihn zugleich durch den floralen Gesang der Almut Klotz (Lassy Singers, Klotz+Dabeler) hinan in verstrahlte Seligkeit.Komplex und verweisreich, zugleich aber unmittelbar euphorisierend ist ?K?nigin im Dreck?. Es ist eine Liebeserkl?rung an Ronald M. Schernikau, den schwulen, kommunistischen, ?rgerlich fr?h verstorbenen Dichter.

Als dieser in seinem Hauptwerk ?Legende? (aus dem die meisten Bilder des Liedes stammen) fragte: ?Was macht eine K?nigin im Dreck??, benannte er die Lage der Menschheit unter ihren M?glichkeiten im Allgemeinen, die des Aktivisten im Westen im Besonderen, und irgendwie, weit vorausahnend, auch die von Jens Friebe, der nach all den Jahren immer noch zwischen allen St?hlen?.thront. Erweisen Sie ihm die Ehre.

Link: http://www.myspace.com/jensfriebe
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